Wie werde ich QRV?

Vermutlich wird beim Lesen der ganzen Texte auf dieser Website irgendwann der Punkt kommen, an dem man sich sagt – „Das sind eine ganze Menge Informationen, aber wie um Himmels Willen werde ich nun am besten in der neuen Betriebsart QRV?“.

Daher – hier ein kleiner Leitfaden dafür. WICHTIG !!!! Aus aktuellem Anlass bitte ich unbedingt den LETZTEN PUNKT „dos and don’ts“ zu berücksichtigen!!!

1. Schritt – Beantragung der DMR ID

Zum Betrieb im DMR Netz ist eine sogenannte DMR ID erforderlich. Diese ID wird verwendet, um das eigene Rufzeichen innerhalb des Netzes identifizierbar zu machen. Die ID wird dann im Funkgerät einprogrammiert und erscheint bei anderen OM’s beim Sendevorgang im Display. Sollte der andere OM den eigenen Eintrag schon als Kontakt hinterlegt haben erscheint nicht mehr die ID, sondern das Rufzeichen und ggf. sogar der Name.

Die ID ist hier zu beantragen: http://ham-dmr.de/?p=504

2. Schritt – Beschaffung eines kompatiblen Funkgerätes

Im Gegensatz zu D-Star stehen Funkgeräte von vielen Herstellern zur Verfügung. Man muss sich also nicht auf einen Hersteller festlegen, und von diesem dann Preise und Funktionen diktieren lassen. Da DMR bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Betriebsfunk Anwendung findet gibt es neben „erschwinglichen“ Neu-Geräten auch einen Gebrauchtmarkt.

Die folgenden (mir bekannten) Hersteller produzieren DMR Geräte:

Motorola, Hytera, Tytera, Connect Systems und Kenwood. (Es gibt aber darüber hinaus noch eine Menge weiterer eher unbekannter Hersteller).

Das wohl günstigste Portabelgerät ist das MD-380/MD-390 von Tytera. Dieses wird NEU teilweise schon für unter 160 EUR angeboten. Bei diesem Gerät ist nur eines zu beachten: DIe Programmiersoftware ist verhältnisweise schlecht, wenn man also vor hat nur ein paar Relais einzuprogrammieren – kein Problem. Hat man hingegen vor, viele hunderte Frequenzen einzuprogrammieren oder gar das ganze Bundesgebiet abzudecken – ist Hytera oder Motorola eher zu empfehlen. Ansonsten wurde das Gerät lange Zeit in der DMR Community skeptisch beobachtet und ausführlich getestet. Diverse Berichte im Internet deuten immer wieder darauf hin, dass es für den Preis ein ausgezeichnetes Einsteigergerät ist. Natürlich ohne die Features der Geräte der „Oberklasse“ aber das Gerät setzt die Hürden für den Einstieg in DMR entsprechend niedrig an. Rein aus der Sicht des Funkamateurs betrachtet, ist das ein durchaus positiver Effekt, denn so werden Anreize geschaffen überhaupt erstmal QRV werden zu können.

md380_1

Bildquelle : http://www.yaesu.hk/pic/ebay/hk360radio/md380_1.jpg

Preiswerte Mobiltransceiver der Mittelklasse gibt es von der Firma Hytera – der MD785 (ohne „G“ / für GPS) wird NEU schon für unter 350,- angeboten. Beim Kauf darauf achten dass die 70cm Version beschafft wird – es gibt bisher nur recht wenige Relais auf dem 70cm Band ! Falls man APRS Funktionen nutzen sollte empfiehlt sich hingegen ein Gerät mit GPS. Gleiches gilt für Portabelgeräte aus dem Hause Hytera; hier würde ich allerdings ein Gerät mit GPS empfehlen – so z.B. das Hytera PD-785G. Hytera Geräte kauft man am besten bei Difona oder Wimo. Lt. Hytera ist Difona bevorzugter Verkaufspartner in Deutschland; entsprechend sind die Geräte erfahrungsgemäß dort am günstigsten.

normaal-HYTERA_MD_785     Hytera-PD785G-GPS

Qualitativ sehr hochwertige Mobiltransceiver von Motorola sind unter anderem Motorola DM-3400, 3401, 3600, 3601, 4600. Equivalent dazu gibt es unter der Bezeichnung DP-XXXX entsprechende Portabelgeräte. Auch hier gibt es bevorzugte Händler – diese sind am besten telefonisch oder über die QRG zu erfragen. Hier handelt es sich um klassische Händler aus dem Betriebsfunk, die aber Amateurfunk-Freundliche Preise haben.

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WICHTIG:

DMR Funkgeräte sind NICHT vergleichbar mit klassischen Amateurfunkgeräten. Die DMR Geräte haben Bedienelemente, die vom Werk aus NICHT programmiert sind. Sämtliche Frequenzen, Talkgroups, die eigene ID – die Belegung der Bedienelemente MÜSSEN programmiert werden. Daher ist beim Kauf darauf zu achten, dass ein Programmierkabel UND die Programmiersoftware dabei ist. Ansonsten können nach dem Kauf unangenehme und unvorhergesehene Kosten entstehen.

Es spielt übrigens keine Rolle für welchen Hersteller man sich entscheidet – man kann mit einem Motorola Mobil TRX genauso Betrieb über einen Hytera Repeater (also dem Hytera Netz) machen wie mit einem Hytera TRX im Motorola Netz. Die Auswahl des entsprechenden Gerätes kann also anhand bestimmter Merkmale wie Qualität, Preis, Bedienung, Programmiersoftware ect. getroffen werden. 

3. Schritt – Registrierung auf der DMR Yahoo Group

Ich würde generell jedem raten sich auf dieser Yahoo Group (siehe Link) zu registrieren. Wie schon in dem letzten Beitrag erwähnt, benötigt man eine Programmiersoftware und ein Programmierkabel um das neu erworbene Geräte einzurichten. Nachdem es aber in Deutschland inzwischen weit mehr als 80 Relais gibt, mehr als 1.000 Benutzer und mehr als 10 unterschiedliche Talkgroups pro Relais kann eine manuelle Konfiguration in der Programmiersoftware gerade zu Beginn relativ mühselig sein. Nebenbei muss man sich vielleicht noch um solche Dinge kümmern wie Softwareupdates ect. In dieser Yahoo Group findet man zum einen immer einen relativ aktuellen „Einsteigercodeplug“ ; d.h. eine Datei – die man einfach mit der Programmiersoftware in das DMR Funkgerät übertragen kann. Das einzige was angepasst werden muss ist Rufzeichen und die vorab beantragte ID. Wenn man diesen Schritt einmal vollzogen hat kann man dann in Ruhe Anpassungen an den Einstellungen vornehmen, oder einfach die ersten QSO’s in der neuen Betriebsart führen.  Zum anderen findet in dieser Yahoo Gruppe ein reger Austausch gleichgesinnter statt, d.h. bei Fragen wird auch meistens relativ schnell geholfen.

 4. Schritt – Es ist vollbracht, es kann losgehen

Fast alle werden es aus der Vergangenheit von der Kurzwelle kennen, Transceiver gekauft – Antenne aufgebaut und abgeglichen und nun das 1. Mal auf Kurzwelle QRV. Ist das so einfach? Weit gefehlt 🙂 Am Anfang gilt es erst einmal zuzuhören und sich mit dem Gerät vertraut zu machen. Es werden gerade zu Beginn noch viele Fragen auftreten, die man hier gar nicht alle beantworten kann. Aber mit der Programmierung des Gerätes ist die größte Hürde genommen; wenn dann noch ein Relais in der Nähe ist welches man nutzen kann steht der neuen Betriebsart fast nichts mehr im Wege.

An dieser Stelle möchte ich einige Begrifflichkeiten kurz aufgreifen, die man im Umgang mit den DMR Geräten immer wieder findet und die zumindestens mir ganz am Anfang nicht so einfach gefallen sind.

Zum einen findet man bei den gängigen DMR Transceiver so etwas wie eine Zone. Wie kann man sich so eine Zone am besten vorstellen? Nun, die „herkömmlichen“ Amateurfunkreceiver haben eine Frequenzanzeige und man kann über den VFO einstellen auf welcher Frequenz man sendet bzw. empfängt. Das gibt es bei DMR Geräten so NICHT – wie wir im Rahmen der Programmierung gesehen haben funktioniert das bei DMR Geräten ein wenig anders, denn hier muss auch die Frequenz entsprechend einprogrammiert sein. Über einen „Rasterschalter“ oder vielleicht auch „Bedienknöpfe“ kann man nun die einprogrammierten Kanäle (Channel) nutzen. Die meisten Geräte unterstützen aber nur 16 Raster – hier wäre also bei wenigen Kanälen Schluss. Damit man dennoch ein großes Spektrum an unterschiedlichen Relais und Talkgruppen nutzen kann gibt es die sogenannte Zone. Die Zone „bündelt“ eine gewisse Anzahl an „Kanälen“ – man stellt am Transceiver diese „Zone“ ein und kann dann im Rahmen der „Zone“ bis zu 16 Kanäle auswählen. Für andere Relais steht wiederum eine andere Zone zur Verfügung. In dem von DL5OBG bereitgestellten Codeplug wurde eine logische Unterteilung getroffen. Zonen wurden pro Bundesland zugewiesen und dort befinden sich die Repeater/Relais, die in dem jeweiligen Bundesland enthalten sind. Wie man an diesem Beispiel sieht sind Zonen eine Art „Objekt“ in der man eine gewisse Anzahl an Kanälen sortieren kann. In unserem Beispiel ist also die Zone für Hessen auszuwählen.

In dieser Zone Hessen befinden sich nun unterschiedliche Kanäle. Ein Kanal beinhaltet zum einen Sende/Empfangsfrequenz – aber auch die dazugehörige Talkgroup. Es wird also genau ein Kanal belegt für z.B. DF0MOT Zeitschlitz 1, Talkgroup 262/DL. Ein weiterer Kanal wird z.B. für DF0MOT Zeitschlitz 2, Talkgroup 9/ Lokal belegt. Da pro Repeater jede Menge Talkgroups programmiert sein können gibt es im Codeplug eine ganze Menge von Kanälen. Und genau diese Kanäle sind der Übersichtlichkeit und Schaltbarkeit entsprechenden Gruppen, – den sogenannten Zonen – zugeordnet.

Für unseren ersten Test bedeutet das also – Zone für Hessen auswählen, z.B. Hess (MOT, #DIF) – dann über den „Kanalschalter“ z.B. DF0MOT TS2 Lokal auswählen. Wenn man dann sendet, das Signal übertragen wird wird es gemäß der Talkgroupkonfiguration auf den entsprechenden Relais ausgesendet. In diesem Beispiel also nur auf dem Relais DF0MOT (Feldberg). Wählt man statt dessen den Kanal DF0MOT TS1 DL aus, erfolgt die Aussendung des Signals auf allen Relais in ganz Deutschland. 

 5. Schritt – Klingt kompliziert, gibt es noch mehr Funktionen?

Ja in der Tat, die Liste an Funktionen ist lang. Im DMR+ und Brandmeister Netz gibt es noch sogenannte Reflektoren, die Möglichkeit das eigene GPS Signal an aprs.fi zu übermitteln, Textnachrichten zu senden, Relais manuell zu verlinken und so weiter. Das sind aber alles Dinge – die man nach und nach erarbeitet und die vor allem beim täglichen Betrieb sehr häufig mit anderen OM’s besprochen werden. Wenn man an diesem Punkt angekommen ist; seinen Transceiver bzw. die Konfiguration versteht; zwischen Zeitschlitzen, Zonen und Kanälen unterscheiden kann und dann noch erfolgreich Betrieb durchführt ist eine ganze Menge geschafft. Alles weitere kann man sich im Laufe des Betriebes nach und nach erarbeiten oder aber im Form bzw. diversen Websiten in Ruhe erlesen. Es gilt wie beim Einstieg in die Kurzwelle – mit den Basic’s anfangen, zuhören, das erste Mal Betrieb machen und Erfahrung sammeln. Danach steigert man sich von Zeit zu Zeit und irgendwann ist alles gar nicht mehr so kompliziert wie es am Anfang ausgesehen hat.

6. Codeplug Support für das Tytera MD-380

Aus aktuellem Anlass kann ich im Raum Limburg-Weilburg für die Relais der näheren Umgebung Support leisten für den Aufbau eines ersten Codeplugs für Einsteiger. Damit soll vor allen denjenigen geholfen werden, die erste Erfahrungen in der Betriebsart DMR sammeln und noch keine Erfahrung beim Schreiben bzw. Ändern von Codeplugs haben.

73 de Nils, DL1MNU