Was bedeutet DMR

Digital Mobile Radio ist die Bezeichnung für einen Übertragungsstandard für Sprache und Daten in Funknetzen. Initial wurde Digital Mobile Radio vom Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) als Standard in 2006 unter der Registrierungsnummer ETSI EN 300 113 Teil 2 verabschiedet. Die Verwendung von DMR hat sich seit dem primär auf nicht-öffentliche Funkdienste wie z.B. Betriebsfunknetze begrenzt. Seit einiger Zeit gibt es im Amateurfunk allerdings ebenfalls Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung DMR als weiteren Übertragungsstandard neben D-Star zu verwenden.

Bei DMR unterscheidet man grundsätzlich zwischen 3 verschiedenen DMR Klassen:     (Auszug aus Wikipedia)

DMR Tier I ist für Hobbyanwendungen vorgesehen. Es gelten die üblichen technischen Beschränkungen wie bei PMR 446 Geräten, d.h. fest angebaute Antenne, maximal 0,5 Watt Strahlungsleistung, Benutzung von allgemein zugewiesenen Frequenzen. Dafür sind sie jedoch frei von Nutzungsgebühren.

DMR Tier II ist für Betriebsfunkanwendungen vorgesehen. Wie im analogen Funk betreibt jede Firma eigene Geräte im Wechselsprechen, d.h. ohne fremde Infrastruktur. Durch geeignete vernetzte Repeater lassen sich aber auch kleine Funknetze mit DMR Tier II realisieren. DMR Tier II wird allgemein auch als „konventionelles DMR“ bezeichnet.

DMR Tier III beschreibt größere Funknetze mit Basisstationen und IP-Vernetzungen. Damit ist es möglich, größere Flächen zu versorgen. Bei Firmen beispielsweise mehrere Gebäude, bei Nahverkehrsunternehmen ganze Regionen oder wie beim Amateurfunk eine weltweite Vernetzung aller DMR-Repeater. DMR Tier III ist daher als Alternative zum TETRA-Funkstandard zu sehen.

Im Amateurfunkdienst wird DMR Tier II verwendet. Wesentliche Unterscheidung gegenüber anlogen Übertragungsverfahren ist, dass bei der Übertragung über die sogenannte Luftschnittstelle digitale Daten übermittelt werden. Diese Daten werden von einem im Funkgerät integrierten „Wandler“ erzeugt und in Form von Datenpaketen in sogenannten Zeitschlitzen (vergleichbar mit Zeitfenstern) übertragen. Gemäß der Spezifikation von DMR ist es möglich, auf einer Trägerfrequenz (z.B. 438.400) bis zu 2 Zeitschlitze parallel zu nutzen. Damit ergeben sich für den Amateurfunkdienst deutlich mehr Anwendungsbereiche, als dies im klassischen analogen Funkdienst möglich war. In der Realität bedeutet dies, dass z.B. über einen DMR Repeater 2 QSO’s parallel über eine Frequenz abgewickelt werden können.

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DMR_Technology

Ein weiterer Unterschied zum analogen Übertragungsverfahren in der Praxis ist, dass kein Rauschen mehr beim Betrieb zu hören ist. Das analoge Rauschen ist durch die Übertragung von Datenpaken nicht mehr vorhanden. Das führt letztendlich aber auch dazu, dass bei schlechter Übertragungsqualität „Pakete“ auf der Luftschnittstelle verloren gehen können. Im analogen Umfeld würde dann zwischenzeitlich der Rauschpegel steigen bzw. ein kurzer Rausch-Aussetzer zu hören sein. Fällt allerdings bei einer digitalen Übertragungstechnik wie DMR das Signal unter eine entsprechende Schwellgrenze ab, so kann keine „Demodulation“ mehr erfolgen, d.h. das Signal ist für diesen Zeitpunkt weg. Schwankende Feldstärken äussern sich durch „Flattern“ und „Stottern“ in der Sprachausgabe. Zusammenfassend ist festzustellen dass bei Nutzung digitaler Verfahren ENTWEDER eine hochwertige, digitale Sprachübertragung möglich ist – ODER es zu keinem Verbindungsaufbau kommt. Das „Lesen“ von Signalen im „Rauschen“ ist so nicht mehr realisierbar. Die digitale Übertragungstechnik beinhaltet allerdings moderne Verfahren zur Stabilisierung der Verbindung, so dass nur wirklich sehr schwache Signale nicht mehr übertragen werden können. Im Vergleich zu dem im Amateurfunk sehr bekannten Standard D-Star hebt sich DMR besonders durch seine sehr gute Sprachübertragung ab.

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Ein weiterer Vorteil der Nutzung digitaler Übertragungsverfahren wie DMR ist eine Mögliche Vernetzung der digitalen Relais Funkstellen. Während es in der Vergangenheit im analogen Umfeld schwierig war, analoge Signale über mehrere Repeater zu übertragen stehen bei Nutzung digitaler Übertragungstechniken dem keine Probleme mehr im Weg. Bereits heute sind in Deutschland mehr als 80 Repeater untereinander vernetzt. Hierbei spielt es keine Rolle ob als Übertragungstechnologie eine HF Strecke oder eine Internetverbindung verwendet wird. Es sei an dieser Stelle allerdings angemerkt, dass die meisten Repeater in Deutschland über Internet und entsprechende zentrale Serversysteme miteinander vernetzt sind. Diese Vernetzung der Repeater bringt im täglichen Betrieb einen deutlichen Mehrwert für die Nutzer des Relais. Während in der Vergangenheit ein analoges Relais auf einen Nutzerkreis seiner Aussendung beschränkt war, ergibt sich durch die Vernetzung eine deutliche Steigerung des Benutzerkreises. In der Praxis bedeutet das: War innerhalb einer durch ein analoges Relais abgedeckten Region nur 1 OM QRV, der CQ gerufen hat konnte faktisch auch niemand antworten. Heute kann dieser CQ Ruf auf alle Relaisstationen in ganz Deutschland, D-A-CH oder weltweit übertragen werden so dass die Wahrscheinlichkeit einer Antwort deutlich höher ist. Die Aktivität auf DMR Relais ist alleine schon aus diesem Grunde daher deutlich höher als die, die man zuweilen von anlogen Relais kennt.

Wie bereits schon in diesem Text angesprochen wurde, können im DMR Netz 2 Zeitschlitze verwendet werden, d.h. 2 paralelle QSO’s über ein Relais umgesetzt werden. Innerhalb der DMR Community und der Vernetzung von Repeatern haben sich Ideen entwickelt, wie diese Zeitschlitze möglichst ökonomisch zu nutzen sind. Man spricht in diesem Fall von einer sogenannten Zeitschlitz-Ökonomie. Es gibt so z.B. Fälle, in denen OM1 aus Stadt A mit OM2 aus Stadt A sprechen möchhte. In diesem Fall ist ein Routing über alle Relaisstationen in Deutschland nicht unbedingt notwendig. Ein anderes Beispiel, wo ein OM1 aus Stadt A in Deutschland mit einem OM2 aus Stadt B in Land B Kontakt aufnehmen möchte erfordert hingegen eine völlig andere Form der Aussendung des entsprechenden Signals. Aus diesem Grunde sind im DMR Netz sogenannte Talkgroups eingeführt. Innerhalb der vernetzten Repeater werden diese Talksgroups in unterschiedliche Regionen geroutet. Eine Talkgroup „Lokal“ bedeutet, dass kein Routing statt finden; d.h. es findet ein lokales QSO auf dem Relais statt. Eine Talkgroup „DL“ bedeutet , dass das QSO auf allen Repeatern in Deutschland übertragen wird und somit auch eine Beteiligung von OM’s aus allen Regionen an diesem QSO möglich ist. Es gibt im Netz nunmehr eine Konfiguration von Talkgroups pro Zeitschlitz, so dass hier eine möglichst hohe Effektivität erreicht wird.

Zusammenfassend kann man entsprechend sagen:

Es gibt pro DMR Relais 2 Zeitschlitze, die auf der gleichen Frequenz ansprechbar sind. Auf beiden Zeitschlitzen kann parallel 1 QSO geführt werden. Es gibt ferner pro Zeitschlitz eine Konfiguration von Talkgroups (Sprechgruppen). Es können mehrere Talkgroups pro Zeitschlitz konfiguriert werden – und damit kann jeder OM selbst entscheiden ob seine Aussendung lokal, regional, überregional oder international ausgesendet wird.